Catlife

Jahresrückblick 2017


Das Jahr 2017 im Katzenhaus des Tierheims Darmstadt

Schon wieder ist das Jahr fast vorbei und es ist eine gute Gelegenheit, Rückschau zu halten und an all die Katzen zurückzudenken, die sich auch dieses Jahr wieder in unser Herz geschlichen haben.

Polly
Leider war das Katzenhaus zu Beginn des Jahres nicht ganz so leer, wie wir es gewünscht hätten. Besonders der große Anteil an halbwilden bzw. sehr scheuen Katzen machte uns Sorgen. Zwar kamen immer wieder Besucher, die gerne eine Katze aufnehmen wollten, aber die meisten suchten eher eine Schmusekatze.

Oswald
Das Jahr 2017 war insgesamt ein schwarzes Jahr, zumindest was die Farbe der Katzen betrifft. Ausnehmend viele schwarze Katzen verbrachten eine mehr oder weniger lange Zeit bei uns im Tierheim. Leider ist die Farbe schwarz ziemlich unbeliebt, was die Vermittlung betrifft.

Bruno
Im Januar bekamen wir mal wieder einen FiV-positiven Kater. Bruno war gefunden worden, hatte mittleres Alter und war noch dazu schwarz. Alles Merkmale, die erfahrungsgemäß die Vermittlung erschwerten. Noch dazu fauchte Bruno anfangs die Leute an, wenn sie sich ihm zu schnell näherten. Dabei war er ein total lieber und verschmuster Kerl. Mit der Zeit lebte er sich recht gut ein bei uns und freute sich über jeden, der sich mit ihm beschäftigte.

Choco
Der Februar war in Sachen Vermittlung ein guter Monat. Gleich zu Anfang fand Choco ein neues Zuhause. Er hatte vorher etliche Zeit in einem französischen Tierheim verbracht, ohne dass sich jemand für ihn interessierte. Auch bei uns musste er etliche Wochen absitzen, hatte nun aber endlich Glück. Und dann fanden drei unserer anderen schwarzen Katzen fast gleichzeitig ein neues Zuhause: Oswald, Paul und Maria. Alle drei waren ursprünglich halbwild und noch ein wenig scheu, machten aber gute Fortschritte.

Mirabell
Ein weiteres Sorgenmädel kam zu uns: Mirabell hatte nicht nur eine Verletzung an der Pfote, sondern wurde bei uns außerdem Leukose-positiv getestet. Auch dies ist eine Krankheit, die für nicht gegen Leukose geimpfte Katzen ansteckend ist. Da wir aus finanziellen Gründen nicht alle unsere Vermittlungskatzen gegen Leukose impfen können (gegen Katzenseuche, -schnupfen und Tollwut impfen wir auf jeden Fall), konnten wir Mirabell leider nicht in eines der Vermittlungszimmer setzen.

Im März blieb das Katzenhaus noch relativ leer, wenn auch bereits wieder die ersten trächtigen (wilden) Kätzinnen eintrudelten. Neben unseren Scheuen waren es leider vor allem die Katzen plus/minus 10 Jahre alt, die es schwer mit der Vermittlung hatten.

Karl
Ende März hatte Bruno Glück und fand ein neues Zuhause. Aber immer noch saßen etliche Sorgenkinder bei uns, unter anderem Karl, ein Kater, der ursprünglich in einer Kolonie wildlebender Katzen zu Hause war und halb verhungert zu uns kam. Er hatte eine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz, konnte das Futter also nicht richtig verwerten. Und so konnte er auch nicht mehr an seinen alten Platz zurückkehren, sondern wir versuchten, für ihn ein richtiges Zuhause zu finden. Karl wuchs uns schnell ans Herz, er konnte herzerweichend piepsen. Karl liebte andere Katzen und fand es schrecklich, allein zu sitzen. Vor Menschen gruselte er sich sehr, wenn er auch schnell merkte, dass Spielen Spaß macht und - falls man ihn mal greifen konnte, dass auch Gestreicheltwerden ganz toll ist.

Maxi und Steve
Aus einer missratenen Scottish Fold-Katzen-Zucht kam im April ein Katzenpärchen zu uns. Leider litt einer der beiden Kater an einer Skelettveränderung, wie es bei solchen Zuchtkatzen immer mal wieder vorkommt. Obwohl Maxi und Steve menschenbezogen, lustig, lieb und verspielt waren, fanden sich bis Ende des Jahres keine ernsthaften Interessenten.

Sweety
Auch im Mai blieb das Katzenhaus relativ leer. Die Katzenbabys waren wie immer schnell vermittelt, zum Glück hatten wir aber auch nicht allzu viele. Mirabell hatte im Mai genauso wie die scheuen Katzen Paloma, Wendy, Molly und Sweety Glück und fand ein neues Zuhause. Auch Oma Else, eine sehr alte Fundkatze musste nicht lange bei uns bleiben, sondern wurde von der Finderin übernommen. Eine weitere sehr alte schwarze Fundkatze allerdings hat es nicht geschafft, ihr Gesundheitszustand war so schlecht, dass sie eingeschläfert werden musste. Das macht uns immer ganz besonders traurig, wenn sehr alte Katzen ihre letzten Lebenstage im Tierheim verbringen müssen und man ihnen nicht mehr helfen kann, sondern sie nur erlösen kann.

Amigo
Ein neues ganz großes Sorgenkind kam in der Katzenfalle ins Tierheim. Amigo war mir selbst „zugelaufen“. Er tauchte eines Tages in meinem Garten auf, suchte wohl Anschluss an andere Katzen und folgte meinem eigenen Kater auf Schritt und Tritt. Allerdings war er menschenscheu und außerdem unkastriert. Im Tierheim wurde er also kastriert und geimpft, leider wurde aber bei der obligatorischen Blutuntersuchung festgestellt, dass Amigo Leukose-positiv war. Mit dieser Diagnose konnten wir ihn nicht mehr reinen Gewissens in die Freiheit entlassen, da diese Krankheit für andere Katzen ansteckend ist. Leider aber zeigte sich Amigo im Tierheim noch dazu total unnahbar, so dass an eine Vermittlung kaum zu denken war. Er tat uns furchtbar leid, war er doch ein Leben in Freiheit gewöhnt und war nun in einer Box eingesperrt.

Kitty
Dafür konnte sich unsere mollige Kitty freuen. Sie fand im Juni endlich ein Zuhause, nachdem sie über ein Jahr bei uns im Tierheim gewesen war und dort tagsüber fast freien Auslauf auf dem Tierheimgelände genießen durfte. Trotzdem: Ein neues Zuhause ist tausend Mal schöner als freier Auslauf auf dem Tierheimgelände. Denn dort gibt es keine Hunde, keine anderen Katzen und die Menschen haben viel mehr Zeit für einen!

Anfang Juli dann noch ein Grund zum Freuen: Karl fand ein Zuhause bei einem tauben Katerkumpel. Wir vermissten ihn anfangs sehr, denn sein glockenheller Ruf war uns sonst immer gefolgt, wenn wir die Aufnahmestation betraten oder verließen. Karl war ja immer hungrig und so hatte er jeden angemaunzt, der an ihm vorbeikam.

Die frei werdenden Plätze wurden aber viel zu schnell neu belegt. Diesmal mit Katzenbabys. Die meisten stammten von wildlebenden Müttern, d. h. die Kätzchen waren fast alle scheu.

Whisky und Sherry
Auf einen Schlag wurde es dann richtig voll. Auf einem Grundstück in Bessungen wurden 40 wildlebende Katzen eingefangen, teils erwachsen, teils trächtig, teils selbst noch Kinder. Etliche von ihnen waren unterernährt. Die erwachsenen wurden so schnell wie möglich kastriert. Aber leider ist es immer sehr schwierig, solche scheuen Katzen zu vermitteln, d. h. das Katzenhaus bzw. unsere Katzen-Quarantänestation waren längere Zeit voll belegt. Auch das Darmstädter Echo berichtete: Zeitungsartikel

Heinrich
Heinrich war ein Paradebeispiel dafür, dass es auch immer wieder freilebende Katzen gibt, die trotz aller Gefahren sehr alt werden. Er war 20 Jahre alt, kam zu uns, weil er leider an dem Ort, wo er bisher gelebt hatte, nicht mehr bleiben konnte. Zum Glück fanden wir sehr schnell für ihn einen Platz auf einem Reiterhof, so dass er seinen Lebensabend nicht im Tierheim verbringen musste. Nur wenig später erfuhren wir, dass Heinrich zum Schmusekater mutiert war, was niemand erwartet hatte.

Fundomi
Weniger Glück hatte leider diese Fundomi. Wir konnten ihre Besitzer nicht ermitteln und leider ging es ihr von Tag zu Tag schlechter, so dass sie schließlich erlöst werden musste.

Bis in den späten Herbst hinein hatten wir Katzenkinder, viele davon in der Farbe schwarz. Die scheueren unter ihnen saßen längere Zeit bei uns – normalerweise sind Katzenkinder immer sehr schnell vermittelt.

Amigo machte große Fortschritte, nachdem er in den mittleren Glaskasten im Kleintierhaus umgezogen war. Er fing an zu spielen und schließlich auch zu schmusen. Zwar war ihm die Hand, wenn sie von vorne kam, immer noch nicht ganz geheuer, aber Gestreicheltwerden, das fand er ganz toll. Anfang November hatte er Glück und durfte zu einer ebenfalls Leukose-positiven Katze in ein neues Zuhause umziehen.

Agathe
Einige alte Katzen „fanden“ den Weg zu uns ins Tierheim. So Agathe, deren Fell voller Knoten war und die teilweise geschoren werden musste. Eine ganz dicke Filzplatte hatte sie auf ihrem Rücken, die bestimmt nicht angenehm war. Der alte Fritz wurde wegen Umzugs abgegeben. Was besonders schlimm war, denn er war nicht nur alt, sondern tat sich mit fremden Menschen ausnehmend schwer. So versteckte er sich die ganze Zeit in einer Höhle, nahm bestenfalls mal Leckerlis entgegen, wollte aber sonst möglichst nicht behelligt werden. Solche Katzen haben es mit der Vermittlung ganz schwer. Warum nur gibt man so ein Tier im Tierheim ab, wenn man es doch schon jahrelang daheim durchgefüttert hat. Hätte Fritz nicht seinen Lebensabend noch bei bekannten Menschen verbringen können?

Fritz
Wenigstens unsere scheuen Jungkatzen fanden Ende des Jahres ein neues Zuhause. Schön, dass es doch auch immer wieder Menschen gibt, die nicht sagen „Ich nehme die Katze, die gleich auf mich zukommt“, sondern die auch den Ängstlichen eine Chance geben und genügend Geduld aufbringen, sie zutraulich zu machen. Ja, gerade am Anfang ist es mühsam, man redet, lockt, spielt, setzt sich zu den Katzen, ohne dass etwas „zurückkommt“. Aber dann, mit der Zeit, fassen die Katzen Vertrauen und man sieht von Tag zu Tag Fortschritte. Das übrigens nicht nur bei Katzenkindern oder Katzen-Teenagern, sondern durchaus auch bei erwachsenen Katzen (siehe Amigo oder Karl).

Kurz vor Jahresende fand Agathe ein neues Zuhause, was für ein schönes Weihnachtsgeschenk!

Estelle
Sehr sehr viel mehr Katzen, als die die ich hier erwähnt habe, haben 2017 unser Tierheim durchlaufen. Und gerne erinnern wir uns z. B. an Charly, Cäsar, Curley, Estelle, Gunter, Lotta, Melody, Mimmi, Viktor und etliche andere, die vielleicht von ihrem Wesen her nicht alle ganz einfach waren, aber einfach unverwechselbar und einzigartig.

Gracia Patricia
Die Pechvögel des Jahres 2017 waren Maxi und Steve, Miene und Gracia Patricia, eine Heilige Birma, deren Durchfall einfach nicht in den Griff zu bekommen war. Wir hoffen, dass nicht nur für diese unsere Pechvögel das neue Jahr besser beginnt und sie auch endlich das Glück haben, nach so langer Wartezeit ein eigenes richtiges Zuhause zu bekommen.

Ganz herzlichen Dank zum Schluß aber noch an diejenigen Leute, die in 2017 eines (oder zwei) unserer Sorgenkinder aufgenommen haben. Vielen Dank für Ihr Mitleid, Ihren Mut, Ihre Geduld!